Die Findungsphase
Die Findungsphase beginnt beim ersten, meist flüchtigen
Gedanken: »Ich glaube, ich sollte doch irgendwann
aufhören«, und endet mit dem Ziel: »Jetzt will
ich es ernsthaft versuchen.« Während dieser Phase
nehmen Sie bewusst, aber vor allem auch unbewusst,
viele Informationen auf, die Sie in Ihrem Ziel, Nichtraucher
zu werden, enorm nach hinten werfen. Viele
Raucher schaffen es daher nicht, aus dieser Phase
überhaupt herauszukommen. Es bleibt beim ersten
schwachen Vorsatz, dass es eben besser wäre, »irgendwann
« aufzuhören. Damit Ihnen das nicht passiert,
sollten Sie die Tipps 1–14 befolgen.
Kein normaler Raucher würde »einfach so« von heute
auf morgen aufhören.
Der Weg ist das Ziel
Ich halte mich für recht kompetent, wenn es darum
geht, Ihnen Tipps über das »Rauchen aufhören« zu
geben, schließlich habe ich zweiundzwanzig Jahre
lang stark geraucht. Eine Schachtel pro Tag war es immer,
meistens eher zwei. In meiner Raucherwelt nahm
ich nicht einmal richtig Notiz davon, als meine damalige
Partnerin und heutige Frau eine Zeitlang nicht
mehr rauchte. Im Gegenteil, ich erklärte ihr, dass ich
mich deshalb nicht einschränken wollte oder gar in
Erwägung ziehen würde, aus Solidarität ebenfalls aufzuhören.
Das war für mich völlig ausgeschlossen.
Jeder kann es schaffen
Inzwischen bin ich aufgewacht, denn am 29. 9. 1999
rauchte ich meine letzte Zigarette. Bis es jedoch so
weit war, dachte ich, wie fast alle Raucher, dass es unheimlich
schwer sei, mit dem Rauchen aufzuhören,
und man »ewig« leiden müsste. Ich ging immer davon
aus, dass ich »irgendwie« anders bin als die vielen
anderen Ex-Raucher, die »es« vor mir geschafft
haben. Für mich war klar, dass ich nie ohne Zigaretten
würde leben können, geschweige denn, dass ich
gut leben würde. Nach zweiundzwanzig Jahren als
Raucher hatte ich die Hoffnung schon fast aufgegeben,
jemals vom Glimmstengel wegzukommen.
»Nicht, weil es schwer ist, wagen wir es nicht,
sondern weil wir es nicht wagen, ist es schwer.«
Lucius Annaeus Seneca
Dann aber geschah etwas Phantastisches. Innerhalb
von Sekunden wurde ich Nichtraucher. Es hatte
»Klick« gemacht, und ich war frei! Ich hatte es geschafft
und mich also die ganzen Jahre geirrt. Und
wie ich mich geirrt hatte! Heute weiß ich, dass es
wirklich JEDER RAUCHER schaffen kann. Und
nicht nur das, ich weiß vor allem, wie viel besser das
Leben als Nichtraucher ist. Es ist allein eine Frage
der richtigen Einstellung und Ihrer Sichtweise dem
Rauchen gegenüber, mehr nicht.
Tipp 1: Lassen Sie sich niemals entmutigen, denn es
gibt keinen hoffnungslosen Raucher. Er existiert allein
in Ihren Gedanken und ist pure Illusion. Jeder
kann es schaffen, man muss nur an sich glauben!
Überprüfen Sie Ihre Motivation
Motivation ist definiert als »eine aktivierte Verhaltensbereitschaft
einer Person im Hinblick auf die Erreichung
bestimmter Ziele«. Wie hoch ist also Ihre
Bereitschaft, das Ziel »Nichtraucher« in die Tat umzusetzen?
Keine Sorge, wenn Sie noch nicht sehr motiviert
sind. In diesem Fall ist dieses Buch genau richtig
für Sie, denn Motivation fliegt einem nicht einfach
so zu. Man sammelt Informationen, überlegt, diskutiert
und ist vielleicht dann am Ende der Entscheidung
Feuer und Flamme. Sammeln Sie also weitere
Anregungen. Auch bei Ihnen wird es »Klick« machen.
Nichtraucher werden
Sind Sie motiviert, vom Rauchen loszukommen? Ich
habe erfreuliche Nachrichten für Sie. Wenn Sie die
nächsten Tipps lesen, werden Sie Ihre großen Ängste
verlieren, die Sie alleine beim Gedanken ans Aufhören
befallen.
Ihre Ängste verlieren
Eine Gruppe von Rauchern tut sich besonders schwer,
das Rauchen ein für alle Mal zu lassen. Es sind langjährige
und meist starke Raucher, die bereits mehrere
Versuche hinter sich gebracht haben und sich immer
mehr im Netz der Rauchfalle verfangen. Es ist wie
mit einem Fisch, der im Netz zappelt. Je mehr er
zappelt, umso mehr verheddert er sich weiter in den
Maschen.
Versuchen Sie locker zu bleiben
So ergeht es auch diesen Rauchern. Sie versuchen mit
aller Gewalt das Gefühl der Freiheit, das sie vielleicht
schon einmal erlebt hatten, wieder zu erlangen. Sie
können nicht verstehen, dass sie rückfällig wurden.
Noch viel weniger begreifen sie, dass sie es nicht erneut
schaffen, einfach nicht mehr zu rauchen. Es sind
richtiggehende Zwangsgedanken, die diese Raucher
oft bis an ihr Lebensende verfolgen.
Auch wenn oft behauptet wird, dass die »Nikotinsucht
« (in Wahrheit ist es eine Rauchsucht) die genialste
Falle der Welt sei, so stimmt auch diese Aussage
nicht. In Wirklichkeit ist jede Sucht völlig banal, sie
wird nur durch uns alle zu einem komplizierten Ungeheuer
gemacht. Wir alle haben dieses Monster erfunden,
und wir alle bemühen uns täglich, dass es
nicht nur am Leben erhalten, sondern sogar noch
mächtiger wird.
»Nicht wenige Experten sehen ihre Daseinsberechtigung
darin, einen relativ einfachen Sachverhalt unendlich
zu komplizieren.«
Pierre Elliott Trudeau
Daher ist es ganz wichtig, dass Sie nicht verkrampfen
und nicht zu viel in das Rauchen hineininterpretieren.
Kennen Sie die Kindergeschichte von Jim
Knopf? In dieser Geschichte gibt es einen Riesen, der
von weitem riesengroß aussieht und immer kleiner
wird, wenn er sich jemandem nähert. Tatsächlich
ist er genauso groß wie ein ganz normaler Mensch.
Beim Rauchen verhält es sich genauso. Je mehr Sie
sich damit befassen und je länger Sie nicht mehr rauchen,
umso mehr verliert die Sucht ihre Größe und
ihren Schrecken.
Tipp 15:Versuchen Sie locker zu bleiben und nichts zu
erzwingen. Der Trick ist, zu erkennen, dass es keinen
Trick gibt. Jede Sucht an sich ist banal. Das Rauchen
ist wie ein großer Luftballon, der von uns allen aufgeblasen
wird.
Nichtraucher meistern ihr Leben genauso gut
Von Natur aus sind Sie Nichtraucher, der ohne Zigaretten
mit seinem Leben gut zurechtkam – bis Sie
eben abhängig wurden und die Zigaretten zum
(Über)Leben brauchten.
Auch Rauchen mussten Sie erst lernen
Sie haben das Rauchen gelernt, jetzt nehmen Sie Anlauf,
das Rauchen wieder zu verlernen. Und so paradox
dies jetzt für Sie auch klingen mag: Es ist viel
einfacher, das Rauchen zu verlernen, als es zu erlernen.
Im ersten Fall können Sie sich passiv verhalten,
Sie greifen eben nicht mehr zur Zigarettenschachtel.
Im zweiten Fall müssen Sie aktiv werden. Sie holen
sich die Zigarette aus der Packung, zünden sich eine
an, inhalieren den Rauch und heben die Zigarette lässig,
ohne sich zu verbrennen. Sie können den Rauch
durch die Nase ausatmen oder Kringel blasen, und
am Schluss drücken Sie den Stumpf aus oder schnippen
die Kippe lässig weg.
Nichtraucher bleiben
Herzlichen Glückwunsch, Sie haben es geschafft!
Jetzt sind Sie Nichtraucher. Sie können sehr stolz auf
sich sein! Entscheidend ist aber, dass Sie Nichtraucher
bleiben. Die letzten elf Tipps sollen Sie daher
Ihr restliches Leben begleiten. Zunächst geht es darum,
die ersten Wochen gut zu überstehen, dann erhalten
Sie noch ein paar Anregungen für die nächsten
Monate und Jahre.
Die ersten Wochen
Wie lange ist es her, dass Sie Ihre »Letzte« geraucht
haben? Die meisten Experten behaupten, dass man
frühestens nach einem Jahr von sich behaupten kann,
Nichtraucher zu sein. Erst dann könnte man ziemlich
sicher sein, dass man »clean« bleibt und sich damit
identifi ziert hat. Manche sprechen auch von fünf
Jahren. Noch schlimmer finde ich den Ausdruck
»Ex-Raucher«, denn das werden Sie dann zeit Ihres
Lebens mit sich herumtragen. »Einmal Raucher, immer
Raucher«, darum geht es beim »Ex-Raucher«.
Sie werden nie wissen, ob Sie doch wieder rückfällig
werden, ja, Sie warten geradezu darauf.
Ab sofort Nichtraucher
Die Frage »Ab wann bin ich Nichtraucher?« muss
jeder für sich selbst beantworten. Es ist alleine eine
Frage der Empfindungen und der daraus folgenden
Identität.
Zwei Beispiele:
Wenn Ihr kleiner Sohn das erste Mal im Fußballstadion
sitzt und von Ihrem Heimatverein begeistert
wäre, könnte es gut sein, dass er ab sofort »VfB-Stuttgart-
Fan« oder »Bayern-Fan« wäre. Der Virus hätte
ihn gepackt, und ab sofort besuchen Sie mit ihm jedes
Heimspiel. Was würden Sie nun denken, wenn es
heißen würde, dass Ihr Sohn erst frühestens nach einem
Jahr Fan »Ihres« Vereins sein könnte? Vermutlich
muss er noch länger darauf warten? Würden Sie
das verstehen? Oder Ihr Sohn?
Oder ein anderes Beispiel: Sie entschließen sich, ab
sofort kein Fleisch und keine Wurst mehr zu essen.
Ab welchem Zeitpunkt würden Sie den Leuten sagen,
dass Sie Vegetarier sind? Würden Sie noch Monate
später im Restaurant sagen, dass Sie seit Monaten
nur noch vegetarisch essen, aber doch noch kein
Vegetarier sind? Sicher nicht.
In Wahrheit ist es also ganz einfach. Sie haben bereits
Ihre letzte Zigarette geraucht. Sie sind jetzt Nichtraucher!
Tipp 42: Sobald Sie Ihre letzte Zigarette geraucht haben,
sind Sie bereits Nichtraucher. Entscheidend ist
dabei vor allem Ihr persönliches Empfi nden und nicht
die Meinung der Experten.
Sich dem Leben stellen
Immer wieder wird von Experten empfohlen, sich in
den ersten Wochen »zu schonen«. Das heißt, man
sollte möglichst gefährlichen Situationen aus dem
Wege gehen, bei denen man Gefahr läuft, rückfällig
zu werden. Trinken Sie keinen Alkohol, heißt es,
oder gehen Sie in den ersten Wochen nicht so viel auf
Partys. Oft heißt es sogar, Sie sollten Gegebenheiten
meiden, bei denen Sie auf allzu viele Raucher treffen!?
Wie soll das gehen bei Millionen von Rauchern?
Hätte ich mich nun als Neu-Nichtraucher zu Hause
verbarrikadieren sollen?
»Wer nicht genießt, wird ungenießbar«
Vergessen Sie all diese Tipps, die sicherlich gut gemeint
sind, aber letztlich genau das Gegenteil bewirken.
Sie werden nach einiger Zeit geradezu nach Partys
oder Ihrem Feierabendbier lechzen, wenn Sie sich
das verbieten. Gleichzeitig haben Sie Angst, sollten
Sie doch Ihr Bier trinken. »Was wird dann passieren?
«, fragen Sie sich. Ich kann Ihnen versichern,
...